Entwürfe des modernen Tanzes

Die programmatischen Entwürfe des modernen Tanzes im deutschsprachigen Raum sind verbunden mit einer radikalen Abwendung vom als elitär, aristokratisch und disziplinierend empfundenen Ballett. Dieses behandelt – im Wortlaut der Zeit – den Menschen als „Gliederpuppe für Beinakrobatik“. Wesentlich wird die Konzeption einer Körperlichkeit, die auf dem „Gesetz der Gravitation“ basiert. Die Schwerkraft wird zum theoretisch-praktischen Leitbegriff in Veröffentlichungen wie Der moderne Tanz (Hans Brandenburg, 1921), Tanz in dieser Zeit (Paul Stephan Grünfeld, 1926), Der Tanz der Zukunft (Fritz Böhme, 1926) oder, praxisnäher, in Rudolf von Labans Die Welt des Tänzers (1920). Der Schwung wird zur Verbindung von Gravitation und Raum.

Ebenfalls in den 1920er-Jahren veröffentlichte französische Schriften wie La Danse d’aujourd’hui (André Levinson, 1929) thematisieren gleichfalls die Körperschwere als bestimmend für viele Erscheinungsformen des Tanzes. Darüber hinaus entwerfen sie den modernen Tanz auf Basis einer mechanistischen, teils anatomisch orientierten Körpervorstellung. Diese zeigt sich beispielhaft in manchen avantgardistischen Inszenierungen der Ballets Russes unter der Ägide von Sergej Diaghilew, den futuristischen Balletten, den „exotischen“ Tänzen im Varieté oder in der Music Hall. Diese Facette des modernen Tanzes wird teils hochgradig polemisch diskutiert.

Die Verbindung zwischen den beiden Modellen – dem „authentisch-natürlichen“ und dem mechanischen Körper – ist die Vorstellung einer rhythmischen und fließenden Bewegung. Man spricht vom „Fluidum“, das „auf sämtliche Glieder überzugehen“ vermag. Auf Grundlage dieser Idee werden in den Schriften einerseits anthropologische Bewegungsstudien unternommen und andererseits die Gleichsetzung von Körper und Maschine vertreten.