Korrespondenzen

Die zunehmende Vernetzung und Internationalisierung des Tanzes in den 1920er- und 1930er-Jahren bildete sich in Korrespondenzen ab, die führende Exponenten der Tanzkultur der Zeit mit Tanzliebhabern, Kritikern, Forschern verbanden. Auch für Friderica Derra de Moroda stellte die regelmäßige schriftliche Kommunikation in Form von Briefen, Postkarten und Telegrammen die Grundlage eines europaweiten Netzwerkes dar, mit dem sie professionelle wie private Kontakte zur Tanz-Community knüpfte und pflegte. Sie trat dabei als kommunikationsfreudige Korrespondentin in mehrfachem Wortsinn auf: als Briefeschreiberin, als Berichterstatterin und als „Botschafterin für den Tanz“.

Zu Derra de Morodas Korrespondenzpartnern zählten Ikonen des modernen Tanzes wie Kurt Jooss und Harald Kreutzberg, aber auch tanzaffine Persönlichkeiten, die heute (fast) vergessen sind. Zu ihnen gehörte der jüdisch-russische Emigrant Joseph Lewitan (1894–1976), der Gründer des Magazins Der Tanz und ein umfassend gebildeter, polyglotter Kosmopolit und angesehener Tanzkritiker im Berlin der Zeit. Derra de Moroda und Lewitan verband die Leidenschaft für den Tanz. Ihr Briefwechsel der Jahre 1933 bis 1938 spiegelt ihre weltoffene, engagierte Auseinandersetzung mit der vielgestaltigen Tanzkultur ihrer Zeit vor dem Hintergrund historisch-politischer Konstellationen im beginnenden Nationalsozialismus. Diese zwangen Lewitan – „den allgemeinen Verhältnissen hierzulande Rechnung tragend“, wie er am 6. Juli 1933 an Derra de Moroda schrieb – zum Rückzug aus dem Magazin und schließlich zur Emigration in die Vereinigten Staaten.