Tänze anderswo

Das Faszinosum außereuropäischer Tänze vermittelte sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vor allem durch das Medium der Fotografie. Die Abbildungen der als „exotisch“ wahrgenommenen Körper waren in ihrer „Fremdheit“ spektakulär, sinnlich reizvoll. Sie zeigten „andere“ Körpertechniken, Gesten und Bewegungen. Tänzerinnen und Tänzer aus fernen Ländern wie Japan, Java und Indien oder die „danse nègre“ regten die Fantasie an. Dies ermöglichte neue Tanzfindungen zwischen Bewegungsrausch und Formbestreben.

Jenseits ihrer visuellen und künstlerischen Attraktivität illustrieren die Abbildungen auch die zeittypischen Versuche, bis dato dominante eurozentrische Kulturmodelle zu verändern. Ethnologie als regional operierende Feldforschung, die Anthropologie mit ihrer biologisch-sozialen Menschensicht und eine an den Prämissen von „Natürlichkeit“ und „Ursprünglichkeit“ orientierte (Tanz-)Kunst wurden darin zusammengeführt.

Der Tanz anderswo bereicherte nicht nur die praktische Tanzszene, sondern begründete auch neue Zugänge zum Denken und Schreiben über Tanz. Der Blick auf die fremden Tänze spiegelt sich zudem in den Sammlungen und Magazinen der Zeit. Er zeigt ein Verständnis von Tanz als vielfältiger Kunstform, als Gegenstand transnationaler Verständigung wie nationaler Selbstvergewisserung.