Evan Penny: Aerial #2, 2006;  Evan Penny und Old Self: Portrait of the Artist as He Will (Not) Be #1, Variation of 4, 2010; Shelley #2, Variation of 4, 2008; Self #3, Variation of 3, 2008; alle Skulpturen: Silikon, Farbpigment, Haar, Aluminium, © 2011 Evan Penny

Evan Penny

Re Figured

Farbecht und haargenau stellen Evan Pennys Plastiken in höchster Präzision und Detailschärfe menschliche Körper mit all ihren physiognomischen Eigenheiten und individuellen Merkmalen dar. Seine mit handwerklicher Sorgfalt aus farbpigmentiertem Silikon geschichteten Figuren zeigen in unidealisierter Weise Repräsentationen von Menschen in oftmals schonungsloser Drastik und sind vielleicht gerade deshalb von höchster sinnlicher Präsenz. Und doch ist ihnen zugleich ihre Künstlichkeit anzusehen. Durch Verfremdungseffekte wie Stauchungen, Streckungen, Verdrehungen, Verzerrungen oder Farbfehler erinnern sie an Eigenheiten der Fotografie, des Fernsehens oder der digitalen Bildbearbeitung. So entstehen der Zweidimensionalität entwachsene anamorphotische Skulpturen, dreidimensionale Bildnisse, die wie fehlerhafte Vierfarbdrucke in Erscheinung treten oder gar verzerrte Skulpturen, die in die vierte Dimension der Zeit vordringen.

Befragt danach, wie er seine aktuelle Werkphase, die in der Ausstellung Evan Penny. Re Figured erstmals umfassend gewürdigt wird, in einem Satz beschreiben würde, sagt der 1953 in Südafrika geborene kanadische Künstler: „Ich versuche meine Skulpturen irgendwo zwischen zwei unterschiedlichen Weisen der Wahrnehmung unserer selbst anzusiedeln: der Wahrnehmung in Raum und Zeit, sowie der Wahrnehmung mittels medialer Bilder“. In diesen Zwischenwelten lässt er hybride Wesen entstehen, welche durch die fotografische Präzision ihrer Oberflächen und ihr körperliches Eindringen in unseren Lebensraum den Betrachter überwältigen. Sie konfrontieren uns dabei mit den Deformationen des Menschenbildes unseres Medienzeitalters. Jede Skulptur stellt ein materialisiertes Gedankenexperiment dar, das der Künstler selber so formuliert: „Was würde passieren, wenn ich eine Entstellung des menschlichen Körpers, welche uns im Kontext medialer Bildlichkeit als normal und akzeptabel erscheint, in den Realraum unserer Lebenswelt übertrüge?“ Seine Werke führen uns die Antwort vor Augen: eine starke Gefühlsreaktion voll abgründigen Schreckens und unstillbarer Faszination.

Die in Kooperation mit der Kunsthalle Tübingen realisierte Werkschau ist die bislang größte Überblicksausstellung Pennys und zugleich seine erste Einzelausstellung in Europa. Sie umfasst 40 Exponate von 22 Leihgebern aus Deutschland, Schweiz, Italien, Großbritannien, Kanada und USA. Nach den Präsentationen in Tübingen und jetzt in Salzburg wird die Ausstellung auch im Museo delle Arti Catanzaro, Italien, und in der Art Gallery of Ontario in Pennys Heimatstadt Toronto in Kanada zu sehen sein.

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten von Alberto Fiz, David Moos, Daniel J. Schreiber und Veit Ziegelmaier erschienen.
Hrsg. von: Daniel J. Schreiber, Verlag der Buchhandlung Walter König, Köln, 2011
178 S., zahlr. farbige Abb., geb. dt./engl./it. Ausgabe, € 28,00


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