Jonathan Meese: DER HIMMLISCHSTE FEUERWEHRMENSCH „SOS-PARSIFAL“, 2013, Bureau Jonathan Meese, Berlin; Schach dem Balthys, 2001, Deichtorhallen Hamburg – Sammlung Falckenberg; Selbstportrait mit eisernem Kreuz, 2001, Deichtorhallen Hamburg – Sammlung Falckenberg;  alle: © Bildrecht, Wien, 2013;

MALERMEESE - MEESERMALER

Jonathan Meese

Jonathan Meese (* 1970 in Tokio)  ist einer der bekanntesten  zeitgenössischen deutschen Künstler. Sein gleichermaßen unbequemes wie kraftvoll eigenständiges Werk polarisiert die Gemüter. Meeses mannigfaltiges Œuvre wird unter anderem bestimmt von der Beschäftigung mit Persönlichkeiten der Weltgeschichte, mit Ur-Mythen und Heldenepen, die der Künstler unter Einbeziehung von Elementen der Populärkultur zu einem im Wortsinn fantastischen Ganzen verdichtet. Kompromisslos proklamiert er sein utopisch angelegtes Konzept von der „Diktatur der Kunst“ in der Auseinandersetzung mit verfemten Figuren und Symbolen sowie der deutschen (Zeit-)Geschichte. Dabei immer auf dem schmalen Grat von humoresker Verzerrung wandelnd, nimmt er als Künstler bewusst in Kauf, gesellschaftlich anzuecken. 

Die als Überblicksschau angelegte Ausstellung im MdM Mönchsberg widmet sich erstmals ausschließlich dem umfangreichsten Komplex in seinem Gesamtwerk: der Malerei. Zwar ist diese nicht das erste Medium, das Meese sich aneignete, aber nach der Zeichnung das zweite, lange bevor er sich der Installation und der Bühne zuwandte. Die ersten Ölbilder stammen aus den Jahren 1993 und 1994, also aus der Zeit vor und direkt am Anfang seiner akademi-schen Ausbildung. Eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei erfolgte im Jahr 2000 nach einer Pause von einigen Jahren, in denen er sich ausschließlich Performances und Installationen gewidmet hatte. Die für seine Arbeit wesentliche Idee von der Bühne als Gegenwelt und das Element der Inszenierung überträgt er fortan auf großformatige (Historien-)Bilder. Die originäre, unverwechselbare malerische Sprache, die der Künstler innerhalb von 20 Jahren entwickeln konnte, hat in ihrer Kraft und Aussage inzwischen einen singulären Status im aktuellen Kunst-geschehen erreicht.

Wie ein roter Faden zieht sich die Beschäftigung mit politischen Systemen und ihren Kontroll- und Machtmechanismen durch Meeses malerisches Werk. Dies zeigt sich vor allem in der exzessiven Verwendung von historisch stark belasteten Zeichen wie Swastika, Eisernem und lateinischem Kreuz und dem sogenannten „Hitlergruß“. Meese dekonstruiert sie im Ornament oder führt sie im Mix mit Müll und Spielzeug unermüdlich ad absurdum. Hinter dem systematisch inflationären Einsatz dieser Symbole verbirgt sich das Ziel, sie zu neutralisieren. Nicht um sie und die damit verbundenen katastrophalen Ereignisse zu vergessen, sondern um im Gegenteil ihre Wirkungslosigkeit für die Gegenwart zu betonen. Dass dabei die Grenzen des guten Geschmacks permanent überschritten werden, ist für die künstlerische Aussage wesentlich. Denn darin manifestiert sich der fundamentale Zweifel am Glauben an und am Umgang mit Zeichen als Ausdruck politischer Macht.

Kuratiert von Doris Mampe und Veit Ziegelmaier

Zur Ausstellung ist der Katalog Malermeese – Meesemaler im Verlag Walther König mit einem Vorwortvon Sabine Breitwieser und Beiträgen von Robert Eikmeyer, Harald Falckenberg, Doris Mampe, Christine Penetsdorfer, Sebastian Preuss, Daniel Schreiber und Veit Ziegelmaier; mit 180 Seiten, 100 farbigen Abbildungen, in dt. & engl. Sprache erschienen.


Dienstag - Sonntag: 
10.00 - 18.00 Uhr
Mittwoch:
10.00 - 20.00 Uhr
Montag: geschlossen