Rudolf Koppitz, Handstudie Hedy Pfundmayr, nach dem Negativ, um 1929, Foto: 18 x 13 cm, © Photoinstitut Bonartes; Anonym, Tilly Losch als Nonne in "Das Mirakel", Regie von Max Reinhardt, 1932, Silbergelatineabzug, 22,7 x 16,4 cm, © Theatermuseum, Wien; Anonym, Tilly Losch und Hedy Pfundmayr beim Damen-Boxkampf mit dem Mimiker der Wiener Staatsoper Adolf Nemeth als "Schiedsrichter", 1926, Silbergelatineabzug, © Lebendiges Tanzarchiv Wien/Andrea Amort; Rudolf Koppitz, Hedy Pfundmayr mit Elektra-Maske von Richard Teschner, um 1930, Silbergelatineabzug, 18,3 x 16,5 cm, © Photoinstitut Bonartes

Tanz der Hände

Tilly Losch und Hedy Pfundmayr in Fotografien 1920–1935

„Man sah vom Scheinwerferlicht beleuchtet nur die zwei blassen schmalen Hände, die für sich alleine zu leben schienen, die ein Spiel aufführten, darin Verrücktheit und Andacht, geheimnisvolle Laster und schmerzliche Sehnsucht sich atemberaubend mengten.“

Die Beschreibung des österreichisch-ungarischen Literaten Felix Salten eines Tanzes, der bei den Salzburger Festspielen 1927 uraufgeführt wurde, dient als Ausgangspunkt für eine interdisziplinäre Spurensuche. Hedy Pfundmayr und Tilly Losch, Solotänzerinnen der Wiener Staatsoper, hatten sich an diesem Abend ausschließlich auf die Ausdruckskraft ihrer Hände konzentriert: Sie reagierten damit auf einen Händekult der Zwischenkriegszeit, dessen Breite und Vielfalt heute völlig in Vergessenheit geraten ist.

Beispiele aus Fotografie, Film und Zeitschriften belegen die heterogenen Anknüpfungs-punkte der allgemeinen Faszination für die Hände. Sie waren es, die in den gemalten und fotografierten Porträts des ausgehenden Jugendstils den wahren „Spiegel der Seele“ verkörperten. Im freien Tanz, der eine Blütezeit erlebte, sollten über sie Gefühle in Bewegung umgesetzt werden. Auch der expressionistische Film thematisierte – etwa in Nosferatu oder in Orlac’s Hände – die suggestive Kraft der menschlichen Hand.

Die in zahllosen illustrierten Publikationen verbreitete Kunst des Handlesens verdankte ihre ungeheure Popularität weniger der Illusion einer Vorhersage der Zukunft, sondern wurde als wissenschaftliche Möglichkeit individueller Charakterdeutung angesehen. Man sammelte und verglich Fotomaterial sowie Vermessungsdaten und kam dabei zu oft zweifelhaften Schlüssen. Im Zeichen der Befreiung von konventionellen Zwängen dienten elegante, schlanke Frauenhände den Zeitschriften dagegen als erotisch aufgeladene Symbole. Sie standen für einen neuen Frauentypus und ließen sich in so unterschiedlichen Feldern wie der Produktwerbung oder der Illustration lesbischer Texte gleichermaßen einsetzen.

Filme, Exponate aus dem Kunstkontext, Objekte aus anthropologischen Sammlungen, Fotografien aus Tanzarchiven oder Zeitschriftenverlagen ermöglichen gemeinsam mit den Bildern aus den Nachlässen der beiden Tänzerinnen einen Blick auf einen ungewöhnlichen Aspekt der Geisteswelt der Zwischenkriegszeit.

Eine Ausstellung des Photoinstitut Bonartes, erweitert in Zusammenarbeit mit dem Museum der Moderne Salzburg.

Kuratorinnen: Monika Faber, Direktorin, Magdalena Vukovic, Kuratorin, Photoinstitut Bonartes, unter Mitarbeit von Andrea Amort, Tanzkritikerin/-historikerin, und Ines Rieder, Schriftstellerin
Kuratorische Assistentin: Barbara Herzog, Museum der Moderne Salzburg


 


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