Auerspergstraße

Entwurfsateliers/Professoren Walter Angonese, Valerio Olgiati

Schlagworte: den Ort neu denken / die Funktionen erweitern / sich mit dem Bestehenden verbinden

Die Villa mit ihrer neobarocken Fassade in der Auerspergstraße 7 ist einer der interessanteren Gründerzeitbauten der Stadt und wurde in den 1950er-Jahren durch einen belanglosen Verwaltungsbau erweitert. Der Anbau ist Zeugnis einer Zeit, in der die Architektur des 19. Jahrhunderts als Irrweg betrachtet wurde. Es bestanden daher keine Skrupel, gravierend in die bauliche Struktur einzugreifen. Die Erweiterung wurde über das bestehende Stiegenhaus erschlossen, was aufgrund der unterschiedlichen Geschoßhöhen zwischen der Villa und neuem Trakt eine natürliche Orientierung im Haus verhindert. Vor dem Hintergrund dieser widersprüchlichen baulichen Situation sollte ein Gebäude mit einer „neutralen, aber öffentlichen“ Funktion implementiert werden, von dem aus der ganze Stadtteil neu „programmiert“ wird. An einem öffentlichen genutzten Objekt wie diesem lässt sich die Frage verhandeln, ob wir in diesen Gründerzeitbauten heute sakrosankte Baudenkmäler sehen, oder ob sie ein Potenzial jenseits der Musealisierung besitzen.

In diesem Sinne gab es für die Student_innen der Klasse von Walter Angonese verschiedene Herangehensweisen, wobei der Erhalt der gründerzeitlichen Villa grundsätzlich hinterfragt werden sollte. Zentraler Aspekt aller Entwürfe war es, die jeweilige räumliche Stimmung einzufangen und daraus eine Idee für ein öffentliches Gebäude zu konstruieren, welches vielfältig genutzt werden kann. Dies setzte einen langen Reflexionsprozess voraus, eine Beschäftigung mit dem geschichtlichen und städtebaulichen Kontext, an deren Ende eine bewusste Projektidee steht.

Fotos: Günter Richard Wett