Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert die erste große Überblickspublikation zum Schaffen der viel diskutierten Künstlerin Andrea Fraser im Rahmen eines Symposiums zur Ausstellung. Die Künstlerin wird zudem ihre berühmte und wegweisende Performance May I Help You? live am Mönchsberg aufführen.


Referent_innen und Themen

Akademie der Bildenden Künste München
Klasse Olaf Nicolai

I’m happy to be here II

I’m happy to be here (I) ist ein Video basierend auf der Auseinandersetzung von Kunststudierenden mit Fragen rund um die Komplexe Institution, eigenes Arbeiten, Erwartungshaltung nach innen und außen oder Zweckfragen des eigenen Tuns. Ein gemeinsam geschriebener Text, eine Art fortlaufender Monolog, bildet hierfür die Grundlage. Dieses Video wurde bereits im Rahmen der Eröffnung der Andrea Fraser Retrospektive im Museum der Moderne Salzburg gezeigt. I’m happy to be here (II) kann eine Fortsetzung sein, eine Verortung der Situation live am Ort des Geschehens: Im Museum der Moderne Salzburg. Der Weg von der Kunstakademie in die Institution ist gleichzeitig Frage und Antwort der beiden Videos.

Paris-Lodron-Universität Salzburg
Claudia Jeschke, Nicole Haitzinger, Musik-und Tanzwissenschaft

Das Spiel mit multiplen Identitäten

Unter diesem Titel werden, neben Andrea Fraser selbst, drei weitere, ebenso zentrale Vertreterinnen der Performance-Bewegung der letzten Dekaden in den Blick genommen. Diese arbeiten zwar im Rahmen anderer künstlerischer Szenarien (Tanz, Musik, Fotografie); wie Fraser entwickeln sie jedoch eigene – kritische, ja provokante – theoretische wie praktische Zugangsweisen zu Selbstverständnis und Positionierung in Kunstbetrieb und Kunstgeschichte. Die unterschiedlichen, auf der performativen Ebene (und da über einen feministischen Blick auf den Körper) vergleichbaren Strategien werden mit Berücksichtigung der medialen Bedingungen ihrer Inszenierungen unter der Perspektive Spiel mit multiplen Identitäten verhandelt. Louise Lecavalier re-definiert das performative Instrumentarium weiblicher Körper auf der Tanzbühne. Cindy Sherman spielt mit Oberflächen von Identität in der Performativität suggerierenden Serienfotografie. Madonna bewegt sich im Bereich der performativen Reproduktion des populärkulturellen Geläufigen. Diese exemplarisch beleuchteten Facetten von „multiplen Identitäten“ werden vor der Folie des Oeuvres von Andrea Fraser und ihrer Befassung mit der Identität der Künstlerin im Verhältnis zur Institution verhandelt.

Universität Mozarteum Salzburg
Gregor Neuerer, Fotografie und Neue Medien
Museum

Dieser Programmbeitrag setzt sich im Rahmen der Ausstellung Andrea Fraser in Form performativer Aneignung, Interventionen und Reflexionen mit der Autonomie künstlerischer Arbeit auseinander und beleuchtet unterschiedliche Dissoziationen der symbolischen Wertschätzung künstlerischer Gegenstände des projizierten kulturellen Kapitals der unterschiedlichen Stakeholder des Kunstmarkts. Konkret werden Fragen der Ausgrenzung und Einbeziehung von Kunstrezipient_innen, Besucher_innen des Museums, sowie der Zugänglichkeit und Funktionsweise des nach Pierre Bourdieu als autonomes Feld bezeichneten Kunstmarkts auch mittels paradoxer Interventionen hinterfragt und heutige Rollenbilder von Künstler_innen und Kunstbetrachter_innen innerhalb des Kunstbetriebs betrachtet. Das Programm wird im Rahmen dieser Überlegungen zum einen die Polarität im Spannungsfeld von Schwellen und Barrieren zwischen den einzelnen Protagonist_innen beleuchten, zum anderen den Versuch neuer Formen von Inklusion thematisieren. Es stellt sich damit die Frage wieviel Partizipation und Zugänglichkeit ein Ort der Kunst zulässt, voraussetzt oder beansprucht.

Technische Universität Graz
Milica Tomic, Institut für Zeitgenössische Kunst
Unmarked. Representation without Reproduction.

Faculty of the IZK Institute for Contemporary Art, TU Graz,  will present the findings of our workshop which explored the boundaries of performance, the labour involved, its representation and modes of public address. When does performance begin, what are the different forms of labour involved in its production, when does it end and how? 

Universität für angewandte Kunst Wien
Helmut Draxler
Kunsttheorie

Ansprüche an künstlerische Autonomie und gesellschaftliche Relevanz werden meist als gegensätzliche Einstellungen definiert, in dem Sinne, dass ein gesellschaftliches Engagement gerade in der Überwindung der Autonomie liege. Doch Autonomie lässt sich keineswegs nur als eine Form wesentlicher Selbstbezüglichkeit von Kunst verstehen. Sie stellt eine vielschichtige Kategorie dar, die psychologisch-moralische, auf die Frage der Willensfreiheit bezogene Momente ebenso umfassen kann wie politisch-existenzielle Dimensionen von Selbstbestimmung oder Selbstermächtigung. Gerade darin zeigt sich, dass Autonomie nie tatsächlich autonom verstanden werden kann, sondern nur in Akten der Abgrenzung zwischen einem Autonomen und einem Heteronomen. Sie stellt somit immer schon ein gesellschaftliches Verhältnis dar, das sich nicht als Gegensatz zu, sondern als Voraussetzung von engagierten Praktiken begreifen lässt.

Leuphana Universität Lüneburg
Ulf Wuggenig, Leiter Kunstraum
Andrea Fraser. Funktionen der Kritik.

Andrea Fraser gilt als Hauptvertreterin der „institutionellen Kritik“. Der Begriff der Kritik wird jedoch kaum weniger vieldeutig gebraucht als jener der Institution, dessen Extension sich von formalen Organisationen  bis zu überindividuellen Regeln, Konventionen oder Ritualen erstreckt. Kritik wiederum kann Unterscheidung bedeuten, sich auf die Bewertung von spezifischen Dingen bzw. Personen beziehen, oder aber auf das System der Bewertung abzielen. Für manche impliziert Kritik Urteil, andere weisen eine solche Verbindung entschieden zurück. Der Vortrag widmet sich dem Verständnis von Kritik bei Andrea Fraser und erörtert manifeste und latente Funktionen von künstlerischer Kritik.

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Hans Dieter Huber, Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie
Situative Aesthetics

Der zentrale Ausgangspunkt einer Ästhetik des Situativen ist der Begriff der Situation. Er beschreibt die Schnittstelle einer räumlichen, zeitlichen und sozialen Versammlung von Gegenständen, Akteuren und Institutionen. In dem Kurzvortrag geht es um eine Einführung in die Grundbegriffe einer solchen Ästhetik.

Paris-Lodron-Universität Salzburg
Elisabeth Klaus, Elke Zobl, Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft und Kunst, Zeitgenössische Kunst-und Kulturproduktion
Erkundungen an den Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft am Beispiel von Andrea Frasers Arbeiten

In unserem Beitrag berichten wir vom Arbeitsprozess und den Ergebnissen aus der Lehrveranstaltung „Cultural Production im Kontext zeitgenössischer Kunst“, die im Rahmen der Museumsakademie stattgefunden hat. Nach einer kurzen Einführung durch Elisabeth Klaus und Elke Zobl berichten Studierende von ihrer Auseinandersetzung mit der Ausstellung und mit Texten von und zu Andrea Fraser und präsentieren Projekte, in denen sie mit den von Fraser entwickelten künstlerischen Strategien experimentiert haben. Dabei setzten sie sich mit drei Themenfeldern auseinander: 1. Feministische (Performance-)Kunst, 2. die Kritik der Kunstinstitutionen und 3. Kunst als soziales Feld im Sinne von Pierre Bourdieu.

Akademie der Bildenden Künste München
Xpatch Collective

You’re Welcome

Anlässlich des Symposiums reflektiert das Xpatch Collective die Ergebnisse der Veranstaltung „Black Box“, die im Rahmen der Museumsakademie stattfand.

In einer Paneldiskussion im März stellten die fünf jungen Künstlerinnen based in Munich sich und ihre Arbeit vor und thematisierten die Produktionsbedingungen des zeitgenössischen Kunstbetriebs. Die performative Aktualisierung der Institutionskritik wird in einer zweiten Paneldiskussion neu verhandelt, hierbei werden die Künstlerinnen die Ergebnisse in den direkten Kontext des Museums der Moderne Salzburg, der Generali Foundation und des Werks der Künstlerin Andrea Fraser stellen und ihre Arbeit im Feld der zeitgenössischen Kunst neu verorten.

Programmübersicht
Samstag, 13.6.2015

10.30–10.45 Uhr
Begrüßung und Einführung
Sabine Breitwieser
Direktorin Museum der Moderne Salzburg

10.45–11.15 Uhr
Akademie der Bildenden Künste München
Klasse Olaf Nicolai
I’m happy to be here II

11.15–11.45 Uhr
Paris-Lodron-Universität Salzburg
Claudia Jeschke, Nicole Haitzinger
Musik- und Tanzwissenschaft
Das Spiel mit multiplen Identitäten

11.45–12.15 Uhr
Universität Mozarteum Salzburg
Gregor Neuerer, Fotografie und Neue Medien
Museum

12.15–12.45 Uhr
Technische Universität Graz
Milica Tomic, IZK
Unmarked. Representation without Reproduction

12.45–14 Uhr
Mittagspause

14–14.30 Uhr
Universität für angewandte Kunst Wien
Helmut Draxler
Kunsttheorie

14.30–15 Uhr
Leuphana Universität Lüneburg
Ulf Wuggenig, Leiter Kunstraum
Andrea Fraser. Funktionen der Kritik

15–15.30 Uhr
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Hans Dieter Huber, Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie
Ästhetik des Situativen

15.30–16 Uhr
Paris-Lodron-Universität Salzburg
Elke Zobl, Elisabeth Klaus, Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft und Kunst, Zeitgenössische Kunst-und Kulturproduktion
Erkundungen an den Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft am Beispiel von Andrea Frasers Arbeiten

16–16.30 Uhr
Kaffeepause

16.30–17 Uhr
Akademie der Bildenden Künste München
xpatch collective
You‘re welcome

17–18 Uhr
Diskussionsrund

Moderation: Sabine Breitwieser, Direktorin Museum der Moderne Salzburg;
Hildegund Amanshauser, Direktorin Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg

KONTAKT

Museum der Moderne Salzburg 
Mönchsberg 32 
5020 Salzburg, Austria 

Rupertinum 
Wiener-Philharmoniker-Gasse 9 
5020 Salzburg, Austria

Öffnungszeiten 
Di–So 10–18 Uhr 
Mi 10–20 Uhr 
Während der Festspiele zusätzlich
Mo 10–18 Uhr

+43 662 842220 
info@mdmsalzburg.at
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