Tanz / Szenen

Friderica Derra de Moroda

Friderica Derra de Moroda (1897 Pressburg/Bratislava – 1978 Salzburg), die Gründerin der Derra de Moroda Dance Archives in Salzburg, widmete sich Zeit ihres Lebens der Vermittlung von Tanz und Tanzwissen: tanzend, choreographierend, lehrend, schreibend, forschend. Geboren im alten Österreich, mit griechisch-ungarischen Wurzeln, führte sie ihr Lebensweg über München, Wien, das Baltikum, Russland und Berlin nach England. Während der Zeit des Nationalsozialismus ging sie nach Deutschland und schließlich nach Salzburg. Scheinbar mühelos bewegte sich zwischen verschiedenen nationalen und kulturellen Räumen. Ausgebildet als klassische Tänzerin, doch stets fasziniert von aktuellen Entwicklungen des freien Tanzes, machte sie in England in den varietéartigen Produktionen der Music Halls Karriere. Sie etablierte eine eigene Tanzschule nach dem Vorbild des einflussreichen Ballettmeisters der Ballets Russes, Enrico Cecchetti.

Als kommunikationsfreudige Korrespondentin für den Tanz knüpfte sie ein weitverzweigtes Netz aus professionellen wie privaten Kontakten. Als Forscherin begeisterte sie sich für ungarische Volkstänze ebenso wie für höfische Tänze der Renaissance, von denen sie sich auch in ihren Choreographien inspirieren ließ. Ihre Aktivitäten waren im besten Sinne „dilettantisch“. Sie folgten keiner konventionellen Ordnung, ließen aber auch kritisches politisches Bewusstsein vermissen. So facettenreich wie ihr tanzbezogenes Engagement war ihre vielgestaltige Sammlung von Artefakten des Tanzes: Darin bilden sich Derra de Morodas persönliche Neigungen, Vorlieben und Schwerpunkte ebenso ab wie ihr subjektiver Blick auf Tanz. Dieser war auf Bewegung und Körperlichkeit gerichtet – im Tanzen, Sammeln und Forschen, in der Beschäftigung mit Tanzgeschichte wie mit aktuellen Strömungen im Tanz ihrer Zeit.