Dietmar Feichtinger Architectes, Wintereinhausung, Residenzbrunnen, 2004, Rendering, © Dietmar Feichtinger Architectes; Hans Hollein, Guggenheim Museum im Mönchsberg, 1990, Schnittmodell © Archiv Hans Hollein; HMGB Architekten, Paracelsus Spa Salzburg, 2012, 
Rendering, © HMGB Architekten Heike Matcha und Günter Barczik GbR;

Ungebautes Salzburg

Das Museum der Moderne Salzburg eröffnet in diesem Frühjahr einen völlig neuen Blick auf Salzburg und widmet sich in einer Ausstellung erstmalig den verworfenen Ideen, gescheiterten Konzepten und Utopien für diese Stadt. Über die Jahre und Jahrhunderte haben hervorragende Baukünstler und -künstlerinnen für diese Stadt gearbeitet und ihr einen einzigartigen Charakter verliehen. Doch nicht immer wurden ihre Pläne verwirklicht. In einer umfassenden Recherche wurden für die Ausstellung aus einer fast unüberschaubaren Zahl an Studien und Wettbewerbsarbeiten rund dreißig Projekte mit einem zeitlichen Schwerpunkt ab dem 20. Jahrhundert ausgewählt. Die Entwürfe sind in Themenkomplexe gegliedert und behandeln wiederkehrende Problemstellungen und ungelöste städtebauliche Fragen. Sie rufen ungebaute Alternativen zur gebauten Realität in Erinnerung.

Für die Besucher und Besucherinnen stellt sich dabei die faszinierende, mitunter aber auch beklemmende Frage, wie sich die Stadt heute darstellen würde: Wie würde Salzburg aussehen, wenn beispielsweise der Domentwurf von Vincenzo Scamozzi aus dem Jahr 1606 und nicht der deutlich kleinere Kirchenbau (1614–1628) von Santino Solari realisiert worden wäre? Welche Entwicklung hätten die Salzburger Festspiele genommen, stünde Hans Poelzigs mystische Vision eines Festspielhauses, die er ab 1920 entwickelte, heute im Schlosspark von Hellbrunn? Es werden aber auch Konzepte und architektonische Ideen vorgestellt, die in einem konstruktiven Widerspruch zueinander stehen, so beispielsweise Álvaro Sizas Projekt für den Umbau des Casino Winkler (1986), Delugan_Meissls Panoramalift (2003) an der Felswand des Mönchsbergs und Hans Holleins epochales Guggenheim Museum (ab 1989) für ebendiesen Ort. Somit wird in der Ausstellung auch die Baugeschichte des Museum der Moderne Salzburg erzählt.

Dabei wirft die Ausstellung keinen nostalgischen Blick auf verpasste Chancen. Vielmehr unterstreicht sie die Freiheit und die Bedeutung des Entwurfs für die Vorstellung davon, wie die Stadt sein kann. Und dennoch ist eine Stadt weit mehr als die Summe der Bauten und Projekte: Sie ist ein soziales Ganzes. In diesem Sinne spricht das Museum der Moderne Salzburg ein Angebot aus – nämlich die Möglichkeit für alle, die in Salzburg leben, und jene, die diese Stadt besuchen, über die Zukunft Salzburgs nachzudenken. Das reichhaltige Rahmenprogramm bietet dazu mannigfaltige Gelegenheiten.

Ungebautes Salzburg zeigt Projekte für eine Stadt, die als gebauter Raum nicht erlebbar sind. Die Entwürfe werden in der Ausstellungsgestaltung daher auch nicht künstlich animiert oder mit digitalen Mitteln fiktionalisiert, sondern als historische Dokumente präsentiert. Die Ausstellung selbst wird als Text verstanden, in dem die Zeichnungen, Pläne und Modelle Buchstaben, die Projekte Wörter und die thematischen Gruppen Sätze einer Erzählung bilden. Dieser Text schreibt sich als eigene Narration über die Geschichte der Stadt in den Grundriss des Museums ein.

Parallel findet vom 28. März bis 12. Juli 2015 die Ausstellung My Favourite Project – Unerhörte Entwürfe Salzburger ArchitektInnen in den Räumen der Initiative Architektur (Hellbrunner Straße 3) statt.

Eine Kooperation des Museum der Moderne Salzburg mit der Initiative Architektur

Kurator
Roman Höllbacher, Gastkurator, Initiative Architektur
Kuratorische Assistentinnen
Verena Österreicher und Karin Wabro, Initiative Architektur, Andrea Lehner, Museum der Moderne Salzburg
Ausstellungsdesign
Kooperative für Darstellungspolitik, Berlin


Mit freundlicher Unterstützung von
Eternit, Säge- und Holzindustrie Holzcluster Salzburg


Dienstag - Sonntag: 
10.00 - 18.00 Uhr
Mittwoch:
10.00 - 20.00 Uhr
Montag: geschlossen