William Kentridge, <i>O Sentimental Machine</i>, 2015, 5-channel video installation with four megaphones, HD video, sound, 9:55 minutes, Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery, William Kentridge, <i>O Sentimental Machine</i>, 2015, 5-channel video installation with four megaphones, HD video, sound, 9:55 minutes, Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery, William Kentridge, <i>The Refusal of Time</i> with collaboration of Philip Miller, Catherine Meyburgh and Peter Galison Film Still 2012, 5-channel video projection, colour, sound, megaphones, breathing machine 30 minutes Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery

William Kentridge

Thick Time. Installationen und Inszenierungen

Das Museum der Moderne Salzburg zeigt eine umfangreiche Werkschau des gefeierten südafrikanischen Künstlers William Kentridge (1955 Johannesburg, ZA), die sich auf beide Häuser des Museums erstreckt. Am Mönchsberg sind eindrucksvolle Videoinstallationen zu sehen, während im Rupertinum erstmals seine Arbeit für das Theater und die Oper im Zentrum einer eigenen Ausstellung steht. Im Atrium des Rupertinums, gleich gegenüber vom Haus für Mozart, wo Kentridge im Sommer Alban Bergs Oper Wozzeck für die Salzburger Festspiele inszeniert, ist auch eine neue Installation des Künstlers zu sehen, die ein Jahr lang bestehen bleiben wird.

William Kentridge wurde in den 1990er-Jahren mit expressiven, in Videos animierten Zeichnungen bekannt. Seine Drawings for Projection erzählen über die Auswirkungen von europäischem Imperialismus und Kolonialismus auf Afrika, im Speziellen auf seine Heimat Südafrika. Als ausgebildeter Schauspieler arbeitet Kentridge seit vielen Jahren erfolgreich an Opern- und Theaterproduktionen. Seine enge Beziehung zum Theater, für das er als Schauspieler, Produzent, Bühnenbildner und Kostümdesigner tätig ist, fließt in seine Arbeit als bildender Künstler ein. In seinen multimedialen Inszenierungen vereint er großartige Zeichenkunst mit theatraler Lebendigkeit. Als roter Faden durch Kentridges Werk zieht sich die Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Ausdrucksformen von Zeit. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Epischem und Alltäglichem, zwischen Ausgelassenheit und Tragödie.

In der Ausstellungssektion auf der Ebene [4] am Mönchsberg werden acht raumfüllende Multimedia-Installationen präsentiert. Darunter sind 7 Fragments for Georges Méliès (2003), eine Hommage an den französischen Pionier des Stummfilms; die spektakuläre, 2012 für die documenta 13 in Kassel entstandene Arbeit The Refusal of Time über das Verhältnis der Menschen zum Phänomen Zeit als Form politischer und gesellschaftlicher Herrschaft; und O Sentimental Machine (2015, produziert für die Istanbul Biennale) über das türkische Exil des russischen Revolutionärs Leo Trotzki. Eine Auswahl an Tapisserien und Objekten sowie ein Leseraum mit zahlreichen Publikationen von und über William Kentridge ergänzen die Ausstellung. Im Auditorium ist die zehnteilige Videoreihe Drawings for Projection (1989–2011) zu sehen.

Die Ausstellungssektion im Rupertinum ist Kentridges Auseinandersetzung mit dem Theater und der Oper gewidmet. Gezeigt wird eine Fülle von Exponaten, darunter Plakate, Zeichnungen, Entwürfe, Modelle und Kostüme, die seit den späten 1970er-Jahren für seine wichtigsten Produktionen entstanden sind. Höhepunkte sind die Modelle für die Inszenierungen von Claudio Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria (1998/2017, produziert für die Wiener Festwochen und das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel) und Preparing the Flute (2004/2005, inszeniert für La Monnaie, Brüssel) sowie das Originalbühnenbild seiner Inszenierung von Dmitri Schostakowitsch Die Nase (2010, produziert von der Metropolitan Opera, New York). In der Franz-West-Lounge des Rupertinums steht dem Künstler ein Studio zur Verfügung, das zeitweise für das Publikum öffentlich zugänglich ist. William Kentridges letzte Arbeitsschritte an seiner Inszenierung von Alban Bergs Oper Wozzeck für die Salzburger Festspiele, die am 8. August 2017 Premiere hat, können dort nachgespürt werden.

Kuratorin: Sabine Breitwieser, Direktorin, mit Tina Teufel, Assistenz Kuratorin
Beratende Kuratorin für den Bereich Theater: Denise Wendel-Poray, Paris
Ausstellungsarchitektur: Sabine Theunissen

In Zusammenarbeit mit der Whitechapel Gallery, London, dem Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, und The Whitworth Art Gallery, Manchester

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Whitechapel Gallery Publications, London (englische Ausgabe) und beim Hirmer Verlag, München (deutsche Ausgabe), herausgegeben von Iwona Blazwick und Sabine Breitwieser, mit Texten von Homi Bhabha, Iwona Blazwick, Sabine Breitwieser, Michael Juul Holm, William Kentridge, Joseph Leo Koerner und Denise Wendel-Poray, 256 Seiten, zahlreiche Abbildungen.

Kunst für Freunde: Edition zur Ausstellung


Dienstag - Sonntag: 
10.00 - 18.00 Uhr
Mittwoch:
10.00 - 20.00 Uhr
Montag: geschlossen