Maurizio Nannucci,  “Luminance of color beyond pure sensation…”, 2008, Lichtinstallation (zweifabiger, sechszeiliger Neontext), 92 x 575 x 6 cm, Museum der Moderne Salzburg

Maurizio Nannucci - Luminance of color beyond …, 2008

Eigens für das Foyer des MdM Mönchsberg konzipierte Maurizio Nannucci einen zweifarbigen, sechszeiligen und ca. sechs Meter langen Neontext. Der Künstler fokussiert das Statement mittig an der Wand des Foyers und eröffnet mit dem sich auf die Farbwahrnehmung und Farbausdehnung beziehenden Text ein weites Bedeutungsfeld. Drei Zeilen aus roter Neonschrift und drei Zeilen aus blauer Neonschrift lassen durch die Lichtwirkung die Grenzen zwischen der Aura und dem Lichthof der einzelnen Farben zerfließen und machen die Expansionskraft des farbigen Lichts sichtbar. Wo beginnt das Rot, wo beginnt das Blau? Was bedeuten die Farben Rot und Blau? Der objektive, faktische Bedeutungsgehalt und die rein subjektive Empfindung einer Farbwahrnehmung bilden die beiden Pole, um die das Statement von Nannucci kreist. Der Betrachter wird direkt mit expliziten Fragen angesprochen und so an der Ausführung des Kunstwerks beteiligt, denn erst mit der Interaktion zwischen Kunstwerk und Betrachter, vollendet sich das gedankliche Konzept, das der Licht-Installation „Luminance of color beyond pure sensation…“ zugrunde liegt.
Maurizio Nannucci (*Florenz, 1939) zählt zu den international renommierten Künstlern der Gegenwartskunst. Sein Werk bezieht sich auf die Erforschung der Wechselbeziehungen von Sprache, Schrift und Bedeutung, von Farbe, Licht und Raum. Zu Beginn seines künstlerischen Schaffens in den 1960er Jahren entwickelte Nannucci im Umfeld von Konkreter und Konzeptueller Kunst sein eigenes künstlerisches Vokabular aus Formen und Zeichen, wobei er die Gattungsgrenzen von bildender Kunst, Literatur und Musik überwindet und ein breites Spektrum von Medien und künstlerischen Mitteln verwendet: Fotografie, Video, Sound-Recording, Neonlicht, Artist's Books, etc.
Mit der Reduktion der bildnerischen Mittel auf Sprache und Schrift verfolgt der Künstler eine art practice, welche die sinnliche Wahrnehmung evoziert, neue räumliche Erfahrungen vermittelt und gleichzeitig kognitive Prozesse des Nachdenkens über das visuell Wahrgenommene anstößt. Dies gelingt Nannucci mit Licht-Installationen, die verdeutlichen, dass der Künstler neben der Ergründung des Sprachlichen, besonders seinen Farbuntersuchungen große Bedeutung beimisst und die Lust wie das Nachdenken über Farben dem Betrachter weitergibt. Farbintensität wird jedoch nicht als Mittel visueller und emotionaler Überwältigung des Betrachters eingesetzt, sondern als ein Faktum, das durch bewusste Wahrnehmung und gedankliche Durchdringung in einen Erfahrungswert transformiert wird und die Wahrnehmung sensibilisiert.
Im Rahmen seiner experimentellen Farb- und Materialstudien formt Nannucci erstmals 1967 Neonröhren nach seiner Handschrift. Somit zählt er zu den Pionieren zeitgenössischer Neonkunst. Durch die Verwendung von Neonglas übertrug Nannucci seine monochromen Wortbilder und Texte seiner Anthologie der frühen 1960er Jahre auf ein licht- und farbintensives Material. Damit löst er sich von konventionellen Bildträgern der Kunst und vollzieht mit raumspezifischen Installationen eine Expansion: von der Raumwand in den gesamten Raum hinein und vom geschlossenen Innenraum in den öffentlichen Außenraum hinaus, denn das farbige Neonlicht erweitert Raumlinien und erzeugt eine farbintensive, transparente und entgrenzte Räumlichkeit.


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