Berthe Morisot, <i>Jeanne Pontillon à la capeline (Detail)</i>, 1884, Pastell auf Papier; Gustav Klimt, <i>Litzlberg am Attersee(Detail)</i>, um 1915,  Öl auf Leinwand

Provenienzforschung

Die Erfassung und wissenschaftliche Dokumentation seines Bestandes gehören zu den Kernaufgaben eines Museums. Das Museum der Moderne Salzburg ist seit Jahren bestrebt, die Herkunft seiner Kunstwerke genauestens zu dokumentieren. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf solchen Kunstwerken, deren Entstehungszeit vor 1945 anzusetzen ist. Es handelt sich um Werke, die vor der Gründung der „Modernen Galerie und graphischen Sammlung Rupertinum“ (heute Museum der Moderne Salzburg) in den Jahren 1976/1977 in den Besitz der Landes Salzburg kamen und dann an das Museum der Moderne Salzburg übergingen. Dies umfasst auch die Bestände der Moderne aus der ehemaligen "Salzburger Landesgalerie" (1942-1944), die im Zeitraum 1938 bis 1945 für das Land von Friedrich Welz erworben wurden. Diese gelangten 1952 in die Residenzgalerie Salzburg. Nach der Gründung der „Modernen Galerie und Graphischen Sammlung Rupertinum“ wurden sie diesem Bestand eingegliedert.

Die 1983 der Öffentlichkeit übergebene „Moderne Galerie und Graphische Sammlung Rupertinum“ entstand im Wesentlichen rund um die vom Salzburger Kunsthändler Friedrich Welz an das Land getätigte "Schenkung Welz". Die fragwürdige Rolle von Welz im österreichischen Kunsthandel der NS-Zeit bzw. bei Bereicherungen im Zuge von „Arisierungen“ (u. a. bei der Wiener Galerie Würthle, der Villa Steinreich in St. Gilgen und bei Teilen der umfangreichen Kunstsammlung des Wiener Zahnarztes Heinrich Rieger) war seit Ende der 1990er Jahre offensichtlich. Des Weiteren betreffen die Recherchen zur Provenienz alle Kunstwerke, die über Versteigerungen, Ankäufe und Schenkungen von Auktionshäusern, Galerien, Künstlernachlässen und privaten Sammlern Teil der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg wurden. 

1. Komplexe Nachforschungen zur Herkunft

Provenienzforschung ist ein komplexer und arbeitsintensiver Prozess, um die Herkunft, die Geschichte und die wechselnden Besitz- und Eigentumsverhältnisse eines Kunstwerkes zu ermitteln. Besonders schwierig gestalten sich Nachforschungen zu Eigentumsverhältnissen von Werken in den Jahren ab 1933, als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen - Österreich folgte 1938 - und in dieser Zeit so genannte „Arisierungen“, Enteignungen, Notverkäufe und nicht mehr nachvollziehbare Eigentumsübertragungen an der Tagesordnung standen. Viele Unterlagen dieser Transaktionen waren nach dem Ende der NS-Herrschaft 1945 nicht mehr aufzufinden, auch wenn in den letzten Jahren zahlreiche Archive ihre Bestände im Hinblick auf diese Problematik durchforsteten und zugänglich machten. Dazu kommt, dass das Museum erst 1983 eröffnet wurde und im Unterschied zu Museen, die bereits während der NS-Zeit bestanden und in diesen Jahren Aufzeichnungen über die Erwerbungen geführt hatten, über keine Inventarbücher und Korrespondenzen aus dieser Zeit verfügt. Daher besteht nur die Möglichkeit, durch zeit- und arbeitsintensive Recherchen zu weiteren Informationen zu gelangen.

Im ersten Schritt wurden die Übernahmen aus dem Bestand des „Landesgalerie Salzburg“ (1942-1944) überprüft. Schritt zwei folgte mit der Einrichtung einer eigenen Abteilung für Provenienzforschung im Museum der Moderne Salzburg im April 2004, deren Aufgabe es ist, die Herkunft der Kunstwerke in der Sammlung zu recherchieren. Zunächst stand die Überprüfung der Schenkungen von Friedrich Welz im Zentrum, danach galt es, die Provenienzen der Gemälde und Wandobjekte zu recherchieren, die gemeinsam mit anderen Daten und Hinweisen zu den einzelnen Werken in einem zweibändigen Bestandskatalog veröffentlicht wurden. Ein von der Art Mentor Foundation Lucerne, dem Land Salzburg und dem Verein der Freunde und Förderer des Museum der Moderne Salzburg finanziertes dreijähriges Forschungsprojekt zur Aufarbeitung des Bestandes der bis 1945 entstandenen Zeichnungen, Aquarelle und Collagen schloss an die diese Forschungen an und wurde im Herbst 2010 beendet. Die Ergebnisse wurden in Form des Katalogs „Im Blätterrausch. Zeichnungen, Aquarelle, Collagen bis 1945“ samt beiliegender CD mit allen Daten zu jedem Werk und in der gleichnamigen Ausstellung präsentiert. Darunter befindet sich auch jenes Pastell von Berthe Morisot mit dem Titel „Jeanne Pontillon à la capeline“, das aus der Sammlung des französischen Kunstliebhabers und Sammlers David-Weill stammt und während der NS-Besatzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht 1940 vom so genannten „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ beschlagnahmt und enteignet wurde. Die bedenkliche Herkunft des Pastells von Morisot wurde im Zuge der Überprüfung der Provenienzen zum Bestand „Zeichnungen, Aquarelle, Collagen bis 1945“ entdeckt. Die Salzburger Landesregierung hat jüngst die Restitution des Werkes an die Erben beschlossen. Zudem können die Ergebnisse nun über einen Link auf der Homepage des Museum der Moderne Salzburg abgerufen werden.

2. Publikationen

Das Land Salzburg hat im Rahmen der bisherigen Provenienzforschung drei Publikationen zu den betroffenen Kunstwerken, die sich nun im Museum der Moderne Salzburg befinden, veröffentlicht: Gerhard Plasser, residenzfähig. Sammlungsgeschichte der Residenzgalerie Salzburg 1923-1938, Salzburg 1998. Fritz Koller, Das Inventarbuch der Landesgalerie Salzburg 1942-1944, Salzburg 2000. Roswitha Juffinger und Gerhard Plasser, Salzburger Landessammlungen 1939-1955, Salzburg 2007. Die Ergebnisse der Recherche können über die eigens von der Salzburger Landesregierung eingerichteten Homepageseite unter: Link "Salzburger Landessammlungen: Provenienzforschung und Restitution" abgerufen werden. Das Museum der Moderne Salzburg selbst hat zu diesem Thema folgende Publikationen vorgelegt: Agnes Husslein-Arco, Eleonora Louis, Susanne Rolinek, Museum der Moderne Salzburg (Hg.), Vom Tafelbild zum Wandobjekt. Zum Sammlungsbestand des Museum der Moderne Salzburg, Bd. 1 (Tafelband), Weitra 2005. Eleonora Louis, Susanne Rolinek, Museum der Moderne Salzburg (Hg.), Vom Tafelbild zum Wandobjekt. Zum Sammlungsbestand des Museum der Moderne Salzburg, Bd. 2 (Bestandskatalog), Weitra 2006. Museum der Moderne Salzburg, Toni Stooss (Hg.), Im Blätterrausch. Zeichnungen, Aquarelle, Collagen bis 1945. Salzburg 2010.


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