Robert Wilson, Robert Downey Jr., 2004, Film still, Dissident Industries Inc., © the artist
Robert Wilson, Johnny Depp, 2006, Courtesy of RW Work Ltd. and Dissident Industries, NY

Robert Wilson

Video Portraits

Wenn der weltweit gefeierte Künstler Robert Wilson über seine Videoporträts spricht, dann erzählt er zunächst von seinem Wunsch ästhetische und geistige Räume zu gestalten. Geprägt von einer intensiven
Bild- und Tonsprache, haben Wilsons „Darsteller“eine überraschend sinnliche Präsenz. Sechzehn dieser poetischen Arbeiten sind im MdM MÖNCHSBERG zu
sehen. Sie zeigen theatralische Inszenierungen von Hollywoodstars und Persönlichkeiten wie Farah Diba, Robert Downey Jr., Marianne Faithfull, Johnny Depp, Jeanne Moreau und Dita von Teese, aber auch von Tieren und unbekannten Personen.

Wilsons Künstlerverständnis konstruiert sich aus einer Reihe singulärer persönlicher Erfahrungen (Sprachbehinderung), wie aus den entscheidenden Impulsen der 1960er Jahre (von Performance bis Minimal Art), die auch in seine legendären Theaterinszenierungen seit den 1970er Jahren einflossen. Seine ersten Videoporträts von bedeutenden Persönlichkeiten wie Louis Aragon, Pontus Hultén, Héléne Rochas, von Personen und Tieren schuf Wilson bereits in den 1970er Jahren. In seinen jüngsten Porträts nutzt er seit 2004 die technischen Möglichkeiten der HighDefinition-Auflösung, die es ihm erlaubt, den Reichtum seiner Bild- und Bühnensprache auszudifferenzieren.

Bewegung, Gestik, Make-up, Kostüm, Kulisse, Lichteinsatz, ebenso wie die Stile der Hoch- und Popkultur, die klassischen wie neuen Medien: Malerei, Design, Musik, Oper, Tanz, Theater, Fotografie, Fernsehen, Film etc. treffen in Wilsons Videoporträts zusammen. Die dargestellten Persönlichkeiten verweisen dabei teils auf eigene biografische Details, teils auf kulturgeschichtliche Quellen. Robert Downey Jr. stellt beispielsweise den Leichnam von Rembrandts Gemälde „Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp“(1632) nach, während Johnny Depp sich als Reinkarnation von Marcel Duchamps Travestie „Rrose Sélavy“(Fotografie von .Man Ray, 1921) inszeniert. Untermalt werden diese Tableaux teils mit von Wilson selbst gesprochenen Texten und Musik bedeutender Komponisten (u.a. Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Raymond Scott, Tom Waits).

In seinen Porträts von unbekannten Menschen und Tieren erreicht Wilsons
komplexe Bild- und Tonsprache ihren Höhepunkt als Zelebrierung der Empathie. Wilsons Videoporträts haben also eine die Wahrnehmung
erweiternde Funktion. In der Geschichte der Porträtmalerei und des fotografischen Porträts stellen seine Videoporträts eine Weiterentwicklung dar, die wegweisend ist.

Konzept und Kurator: Peter Weibel
Produktion: Dissident Industries

Zur Ausstellung ist der Katalog. „Robert Wilson. Video Portraits“, mit
Beiträgen von Robert Wilson, Peter Weibel, Nicola Suthor, Ali Hossaini,
Noah Khoshbin und Matthew Shattuck erschienen. Hrsg. von Peter Weibel,
Harald Falckenberg und Matthew Shattuck, Karlsruhe, 2011, 224 S. mit
5 Falttafeln, Hardcover mit Leinen, Text in dt. und engl. Sprache, € 29, 80.

Mehr zu Robert Wilson finden Sie hier: robertwilson.com


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