Lerato Shadi, Kgakala (2023)
Courtesy of the artist, Lerato Shadi
Was aus der Ferne wie eine Komposition aus unruhigen roten Linien wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als rhythmisch fließende Lineatur einer Geschichte, deren Inhalt uns verborgen bleibt. Das Schreiben ist ein wichtiger Teil der auf zeitaufwändigen und arbeitsintensiven Performances basierenden Praxis von Lerato Shadi, die auch in Installationen und Videos mündet. Die verschriftlichte Sprache verknüpft Körper und Arbeit, Wahrnehmung und Geschichte sowie Erinnerung, Zeit und Wiederholung miteinander. In ihren Werken steht der marginalisierte, arbeitende Körper schwarzer Frauen im Vordergrund. Damit kritisiert Shadi u.a. die immer noch deutlichen Strukturen rassistischer und geschlechtlicher Dominanz in patriarchalen, postkolonialistischen Gesellschaften.
In mehreren Erzählsträngen, die alle ihren eigenen Anfang und ihr eigenes Ende haben, überlagern sich Sätze und Geschichten. Sie bilden keine lineare Abfolge von Ereignissen oder Erfahrungen, sondern ein melodisches Miteinander verschiedener Erzählstränge, Stimmen oder Emotionen, das gezielte Leerstellen miteinbezieht. Im Arbeitsprozess bewegt sich die Künstlerin um das Werk herum, verändert Perspektive und Leserichtung. Shadi stellt damit Fragen danach, wer Geschichte/n erzählen kann oder darf, wessen Stimmen gehört werden und welche Sprache verwendet bzw. bewusst nicht verwendet wird. Sie erforscht und erweitert die Grenzen von Sprache, Geschichte und Repräsentation. Für die Titel ihrer Werke wählt die Künstlerin Setswana – eine Sprache, die hauptsächlich in der nordwestlichen Provinz Südafrikas sowie im angrenzenden Nachbarland Botswana gesprochen wird. Die Serie „Tsela di Matlapa“ ist nach einem traditionellen südafrikanischen Volkslied benannt, das – in der Familie der Künstlerin oft gesungen – von einem entbehrungsreichen Leben erzählt.
What appears from a distance to be a composition of restless red lines, on closer inspection, turns out to be the rhythmically flowing lines of a story whose content remains hidden from us. Writing is an important part of Lerato Shadi's practice, which is based on time-consuming and labor-intensive performances and also results in installations and videos. The written language links body and work, perception and history, as well as memory, time, and repetition. Her works focus on the marginalized, working bodies of Black women. In doing so, Shadi criticizes, among other things, the still evident structures of racist and gendered dominance in patriarchal, postcolonial societies.
In several narrative strands, each with its own beginning and end, sentences and stories overlap. They do not form a linear sequence of events or experiences, but rather a melodic interweaving of different narrative strands, voices, or emotions that incorporates deliberate empty spaces. In the working process, the artist moves around the work, changing perspective and reading direction. Shadi thus asks questions about who can or may tell stories, whose voices are heard, and which language is used or deliberately not used. She explores and expands the boundaries of language, history, and representation. The artist chooses Setswana for the titles of her works—a language spoken mainly in the northwestern province of South Africa and in neighboring Botswana. The series “Tsela di Matlapa” is named after a traditional South African folk song, often sung in the artist's family, which tells of a life full of hardship.