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Umfang

Das Museum der Moderne Salzburg ist für vielfältige und umfangreiche Sammlungsbestände verantwortlich, gesamt für rund 55 000 Werke, die vom 19. und 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichen und aus der Anfangszeit einen Schwerpunkt auf Grafik und Fotografie aufweisen. Neben der eigenen Sammlung betreut das Museum der Moderne Salzburg gemeinsam mit den Werken im Besitz des Landes Salzburg auch die Fotosammlung des Bundes mit allein rund 12 000 Titeln.

Ein weiterer prominenter, dem Museum seit 2014 anvertrauter Bestand ist die international ausgerichtete Sammlung Generali Foundation mit rund 2100 Werken in unterschiedlichen Medien und einem Fokus auf konzeptuelle sowie Medien und Performance basierter Kunst. Insgesamt befinden sich in der Obhut des Museum der Moderne Salzburg rund 31 000 Arbeiten auf Papier, 22 000 Fotografien, 800 Gemälde, 700 Skulpturen und Installationen sowie 800 Film- und Videoarbeiten inklusive Installationen mit elektronischen Medien.

 

 

Geschichte

Seit der Gründung waren sechs Direktor_innen für die Sammlung verantwortlich: Otto Breicha (1980–1997), Peter Weiermair (1998–2001), Agnes Husslein (2001–2005), Toni Stooss (2005–2013), Sabine Breitwieser (2013–2018) und Thorsten Sadowsky (seit 2018). Grundstein des Museum der Moderne Salzburg bildet die Schenkung des Kunsthändlers Friedrich Welz (1903–1980), der seinen persönlichen Kunstbesitz, überwiegend eine Sammlung moderner Druckgrafik, Ende der 1970er-Jahre dem Land Salzburg mit der Auflage vermachte, ein Museum zu gründen. Die damalige Moderne Galerie und Graphische Sammlung – Rupertinum wurde 1983 im historischen Barockgebäude Rupertinum mit dem Anspruch einer „Albertina des Westens“ eröffnet. Aufgrund Welz’ problematischer Zusammenarbeit mit den nationalsozialistischen Machthabern war das Museum der Moderne Salzburg veranlasst, ab 2004 ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Provenienz seiner Bestände durchzuführen.

Unter der Leitung von Direktor Peter Weiermair (1998–2001) wurde begonnen, das Programm des Museums und damit auch die Fortführung der Sammlung stärker international auszurichten. Mit der Eröffnung des Hauses am Mönchsberg im Herbst 2004 und der damit einhergehenden Vergrößerung der Ausstellungsfläche auf rund 3 000 Quadratmeter, vor allem aber mit der Schaffung großzügiger, zur Präsentation großer Formate geeigneter Räume in Ergänzung zu den intimen Kabinetten des Rupertinums wurde unter der Leitung von Direktorin Agnes Husslein (2000–2005) eine Umorientierung in der Sammlungsstrategie hin zu großformatigen Gemälden, sowie zu Installationen, raumgreifenden Skulpturen und Medienkunst eingeleitet. Zugleich wurde begonnen, verstärkt junge zeitgenössische Kunst auszustellen und für die Sammlung zu erwerben.

Unter Direktor Toni Stooss (2005–2013) gelangte eine umfangreiche Schenkung des Galeristen Thaddaeus Ropac – mit Werken von u. a. Georg Baselitz, Sylvie Fleury, Anselm Kiefer, Imi Knoebel, Gerwald Rockenschaub, Hubert Scheibl, Not Vital und Erwin Wurm – an das Museum der Moderne Salzburg. Diese Schenkung unterstützte nicht nur die sammlungsstrategische Hinwendung zu österreichischer und internationaler Gegenwartskunst, sondern lenkte das Augenmerk auch auf abstrakte Kunstrichtungen. Unter der Direktion von Sabine Breitwieser (2013–2018) und Thorsten Sadowsky (seit 2018) wurde die internationale Ausrichtung der hauseigenen Sammlung, für die seit 2018 Lena Nievers als Sammlungsleiterin verantwortlich ist, durch Ankäufe von größeren Werken und Werkgruppen beispielsweise von Kader Attia, Anna Boghiguian, Andrea Geyer, Renée Green, Nilbar Güreş, Dorit Margreiter, Paulina Ołowska, Sigalit Landau, Wiebke Siem, Yinka Shonibare CBE RA und Fiona Tan weiter ausgebaut.

Schwerpunkte

Einer der thematischen Grundpfeiler der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg ist das expressionistische Menschenbild, dass die frühe Sammlungsgeschichte geprägt und für einen deutlichen Schwerpunkt zugunsten figurativer Kunst gesorgt hat. Mit der Errichtung des neuen Museumsgebäudes am Mönchsberg wurden zeitgenössische Positionen nationaler und internationaler Kunst verstärkt berücksichtigt. Als Kompetenzzentrum für österreichische Fotografie nach 1945 verfügt das Museum über eine umfangreiche Sammlung der wichtigsten Positionen der nationalen Fotogeschichte. Ein hochkarätiges Konvolut japanischer Fotografie steht exemplarisch für eine internationale Perspektive. Die international anerkannte Sammlung Generali Foundation, die zu den bedeutendsten österreichischen Unternehmenssammlungen gehört, setzt mit feministischen, performativen und konzeptuellen Positionen seit den 1970er-Jahren wesentliche Akzente im zeitgenössischen Kunstgeschehen.

Aktuelle Sammlungsstrategie

Die aktuelle Sammlungsstrategie des Museum der Moderne Salzburg sieht vor, bei der Weiterentwicklung der Sammlungen ein besonderes Augenmerk auf die Werke von Künstlerinnen zu legen, um die deutliche Asymmetrie zugunsten männlicher Positionen längerfristig auszugleichen. Darüber hinaus gilt es, die bisherige Orientierung an der österreichischen, westeuropäischen und nordamerikanischen Kunstgeschichte zu erweitern, die bis auf wenige Ausnahmen eine Befragung oder Hinterfragung des eurozentrischen Blicks vermissen lässt. Dasjenige, was der amerikanische Kunsthistoriker Hal Foster als „ethnographic turn in contemporary art“ bezeichnet hat, ist in den Sammlungen am Museum der Moderne Salzburg bislang unterrepräsentiert. Damit sind künstlerische Strategien gemeint, die auf anthropologische und ethnografische Methodiken zurückgreifen und sich Fragen der kulturellen Differenz, Diversität und Repräsentation widmen. Die Zeiten, in denen Weltkunst vornehmlich als weiße Kunst verstanden wurde, während andere Positionen und damit verbundene Wertvorstellungen und ästhetische Konzepte aus dem Olymp des White Cube ausgeschlossen blieben, sind vorbei. Stattdessen steht die kritische Auseinandersetzung mit der „cultural construction of whiteness“ (Kobena Mercer) auf der Agenda. Einen weiteren Forschungs- und Sammlungsschwerpunkt bildet die europäische Ost-West-Problematik, um aus künstlerischer Perspektive zu reflektieren, was Europa für uns und für unsere Identität bedeutet.

Es gilt die Hybridität in jenem „dritten Raum“ zwischen den Kulturen zu erforschen, die der indische Theoretiker Homi K. Bhabha so eindringlich beschrieben hat. Gefragt ist ein polyperspektivisches Denken, dass die herkömmlichen Narrative und Wahrnehmungsstereotypen dekonstruiert und auflöst. Es geht um die conditio humana, um die Bedingungen menschlichen Daseins und um den Menschen als Weltwesen.

Digitalisierung

Im Zuge eines umfassenden Digitalisierungsprozesses arbeitet das Museum der Moderne Salzburg derzeit daran, die Sammlungen digital zu erschließen und auf dieser Website zugänglich zu machen. Dieser Digitalisierungsprozess wird unterstützt vom Land Salzburg.