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Inside the Exhibition: Leonie Lindinger

Was passiert, wenn Sprache auf Skulptur trifft? Was geschieht, wenn ein Werk nicht nur betrachtet, sondern weitergedacht wird?

Für unser Format „Inside the Exhibition“ ist die Künstlerin Leonie Lindinger zu Gast in der Ausstellung Cascade von Nika Neelova. Umgeben von Materialien, Fragmenten und räumlichen Verschiebungen entwickelt sie eine eigene künstlerische Antwort in Form eines Textes. Ausgangspunkt ist das Werk „Lazarus Taxon“.

 

Ein Werk, das reagiert

Lindinger arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Performance und Musik. In ihrer Praxis verbindet sie unterschiedliche Ausdrucksformen, die oft von Text, Stimme oder Klang begleitet werden. Ihre Arbeiten sind körperlich, raumgreifend und gleichzeitig nah an persönlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen.

In Cascade trifft sie auf eine künstlerische Sprache, die ähnlich funktioniert. Das Werk „Lazarus Taxon“ wird dabei zum Resonanzraum.

Der Text

Während ihres Rundgangs durch die Ausstellung entsteht ein Text: eine direkte, intuitive Reaktion auf das Gesehene, die keiner klassischen Erzählstruktur folgt, sondern sich beobachtend vortastet. Wie Neelovas Arbeiten bewegt sich der Text zwischen Gegenpolen: Nähe und Distanz, Bewegung und Stillstand, Oberfläche und Tiefe.

Ich fasse dich nicht an.

Während du versuchst, dich zu bewegen,

Stück für Stück,

blicke ich immer wieder durch die winzigen Löcher.

Schwer schiebst du deinen Körper über den rauen Boden.

Meine Finger berühren beinahe deine Wirbelsäule.

Du zuckst zusammen.

Manche treffen sich exakt, Kante auf Kante. Andere sind leicht verschoben. An einigen Stellen überlagert sich das Gewebe; es gibt ein feineres und ein gröberes. Ein Faden steht lose heraus.

Du machst dich bereit –

dann erstarrst du in Bewegung.

Dein tiefstes Stück – verbrannt.

Die Sonne wirft einen Schatten auf das vertrocknete Gras.

Dein Körper hebt vom dunklen Grund sich ab.

Vier, acht, zwölf, sechzehn, vierundzwanzig zähle ich.

Durchzogen von feinem Gewebe.

Du bewegst dich auf das Kühle zu.

Einmal bist du weich gewesen.

Ich halte meine Hand über die Verletzung.


Über Leonie Lindinger

Leonie Lindinger (*2000, Richterswil, CH*) studierte am Department Bildende Künste und Gestaltung der Universität Mozarteum Salzburg. In ihrer Arbeit verbindet sie Malerei, Performance und Musik und entwickelt daraus interdisziplinäre Formate. Ihre Praxis ist geprägt von einem kritischen Blick auf gesellschaftliche Themen sowie dem Versuch, emotionale Zustände sichtbar und erfahrbar zu machen.

 

Hier geht es zum Video mit Leonie Lindingers Lesung des Texts: https://youtu.be/PxPyZFYK1C8

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