Unruhige Ordnungen. Skulptur und Menschsein seit 1945
Mönchsberg
Kurator: Jürgen Tabor
Skulptur kann inneren Zuständen körperliche Gestalt geben, einen alltäglichen Gegenstand mit Begehren aufladen oder gesellschaftliche Zwänge spürbar machen. Was eine Skulptur sein kann, hat sich seit 1945 immer wieder grundlegend verändert. Unruhige Ordnungen spannt einen Bogen über mehr als acht Jahrzehnte künstlerischer Erneuerung und gesellschaftlichen Wandels.
Die Ausstellung verbindet die Menschenbilder der österreichischen Nachkriegsmoderne mit den radikalen Experimenten der 1960er- und 1970er-Jahre, in denen sich die Skulptur zu Raum, Handlung, Medium und Situation erweitert. Sie führt weiter in die widersprüchlichen 1980er-Jahre, in denen eine neue Waren- und Objektkultur auf eine verstärkte Hinwendung zu subjektiver und psychischer Erfahrung trifft, und von dort bis in die Gegenwart. Über diese historischen Konstellationen hinweg kehren Fragen nach menschlicher Existenz, gesellschaftlichen, institutionellen und ökonomischen Ordnungen sowie nach dem Verhältnis von Material, Umwelt und komplexen Systemen wieder.
Die Ausstellung fragt, wie Veränderungen der künstlerischen Mittel mit den Erfahrungen und Umbrüchen ihrer Zeit zusammenhängen. Krieg und Wiederaufbau, die Kritik an überkommenen Geschlechterrollen oder die Technologisierung des Alltags können zu Impulsen werden, auch die Verfahren der Kunst neu zu denken. Künstler:innen greifen in Räume ein, stellen Beziehungen her und schaffen Situationen, in denen Wahrnehmung und Handlung selbst zum Gegenstand eines Experiments werden. Sie arbeiten mit Körpern und Apparaten, mit Fundstücken und Naturmaterialien. Sie verbinden Dinge zu räumlichen Gefügen oder setzen Prozesse in Gang, die eine eigene Dynamik entwickeln. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen der Ideenreichtum und die Dringlichkeit, mit denen Künstler:innen die Möglichkeiten der Skulptur ausloten und erweitern, um Erfahrungen, die sich nicht einfach abbilden lassen, eine Form zu geben.
In der Ausstellung begegnen sich österreichische und internationale Positionen von der Nachkriegsmoderne bis zur Gegenwart in ungewohnten Nachbarschaften. Wiederkehrende Fragen verbinden Werke verschiedener Jahrzehnte und Generationen. Im Vergleich wird sichtbar, wie eng eine Form mit den Erfahrungen und Konflikten ihrer Zeit verbunden sein kann und weshalb sie uns heute noch berührt, irritiert oder herausfordert. Der Vergleich erschließt die Werke, ohne ihre Rätselhaftigkeit aufzulösen.
Die Ausstellung knüpft an die langjährige Sammlungs-, Forschungs- und Ausstellungstätigkeit der Generali Foundation zur Erweiterung des Skulpturalen und ihre gesellschaftliche Bedeutung an. Zugleich stellt sie einen Dialog mit ausgewählten Arbeiten aus der Sammlung des Museums her, die Schwerpunkte in der österreichischen Nachkriegsmoderne, im Menschenbild und zeitgenössischen Positionen hat. Sichtbar wird keine geradlinige Entwicklung, sondern eine Geschichte unterschiedlicher, mitunter widersprüchlicher Antworten auf die Frage, wie wir uns und unsere Welt begreifen.
Mit Arbeiten von
Robert Adrian X, Joannis Avramidis, Josef Bauer, Mária Bartuszová, Gottfried Bechtold, Josef Dabernig, Maria Eichhorn, Evelyne Egerer, VALIE EXPORT, Judith Fegerl, Werner Feiersinger, Heinz Frank, Marcus Geiger, Isa Genzken, Bruno Gironcoli, Roland Goeschl, Hans Haacke, Bethan Huws, Willi Kopf, Brigitte Kowanz, Sigalit Landau, Sonia Leimer, Ines Lombardi, Christian Lutz, Marianne Maderna, Gordon Matta-Clark, Gustav Metzger, Bruce Nauman, Bernd Oppl, Hermann J. Painitz, Walter Pichler, Josef Pillhofer, Christine Prantauer, Gerwald Rockenschaub, Zbyněk Sekal, Rini Tandon, Andreas Urteil, Manfred Wakolbinger, Lois Weinberger, Franz West, Hannah Wilke, Fritz Wotruba, Erwin Wurm, Heimo Zobernig u. a.
















