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Jugendliche sind versessen auf Kunst

Wie bewege ich mich in meinem Wohnzimmer? Wie viel Raum brauche ich? Wie findet mein Körper Platz zwischen und auf den Stühlen? Wie beeinflusst ein Schreibtisch als Designobjekt meine Haltung, meine Gedanken?

Gemeinsam mit der Tänzerin und ChoreografinNayana Keshava Bhat und der Schriftstellerin Marlen Mairhofer erkundeten die Schülerinnen und Schüler des BORG Straßwalchen die Ausstellung „Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur“ im Museum der Moderne Salzburg am Mönchsberg.

Im Rahmen des Projekts, gefördert vom OeAD, tauchten die Jugendlichen auf neue Weise in die Ausstellung ein: Angeregt von den Objekten der französischen Designerin und Architektin Charlotte Perriand (1903-1999) beschäftigten sich die Jugendlichen mit Möbeldesign, Raumgestaltung und der wichtigen Rolle, die Perriand der körperlichen Erfahrung in ihren Interieurs zusprach. Durch Methoden in Creative Writing und Tanz fand unter dem Titel „Versessen auf Kunst“ eine kreative Auseinandersetzung mit den Themen des Wohnens und der Bewegung im Alltag statt. Nach einem performativen warm-up im Auditorium, bei dem der Raum mit mal schnellen, mal langsamen Bewegungen als Gruppe erkundet und ausgefüllt wurde, fanden sich die Schülerinnen und Schüler in der Ausstellung ein, um dort die Designobjekte und die partizipative Installation „14m²“ im Kunstvermittlungsraum zu erkunden und mit ihren eigenen Erfahrungen zum Sprechen zu bringen. Die entstandenen Texte wurden in große Leserunden vorgelesen, wertschätzende Feedback-Runden ermöglichten den Jugendlichen eine nachhaltige Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreiben.

Einblicke ins das Projekt zeigen ausgewählte Texte der Schülerinnen und Schüler und eine Fotostrecke von wildbild.


14 Quadratmeter mit Magie?
Und dann stand ich in meiner neuen Wohnung, die nur 14 m² groß war. Der Raum war leer, und außer der Haustür war keine einzige weitere Tür zu sehen. Planlos blickte ich mich in dem hellen Zimmer um und wusste nicht, womit ich anfangen sollte. Die ersten Nächte schlief ich auf einer Matratze, die bereits die Hälfte des Raumes einnahm.

Lange überlegte ich, wie ich den kleinen Raum am besten nutzen konnte, und abute schließlich Schränke mit möglichst viel Stauraum, nachdem ich all meine Sachen eingeräumt hatte, blieb jedoch kaum noch Platz übrig, und ich musst erneut umplanen.

Ein paar Tage später schien die Sonne besonders hell durch das Fenster, auf dem Fensterbrett funkelte etwas im Licht. Neugierig trat ich näher und entdeckte ein blaues, gläsernes Herz. Der Vorhang hatte es zuvor verdeckt, weshalb ich es leicht übersehen hatte, doch die Sonnenstrahlen hatten es verraten.  

Vermutlich hatte der Vormieter den Glasstein dort zurückgelassen. Da er jedoch nicht mehr in diesem Land lebte und seine Kontaktdaten geändert hatte, konnte ich ihn weder erreichen noch fragen, ob er den Stein zurückhaben wollte. Vorsichtig legte ich das Herz in eine Truhe, damit es weder verloren ging noch zerbracht.

Zunächst dachte ich nicht weiter darüber nach. Doch seitdem der Stein nicht mehr an seinem Platz lag, schien alles schiefzulaufen. Es regnete ständig, meine Pläne misslangen, und selbst die Probleme mit dem winzigen Raum belasteten mich mehr als zuvor. Schließlich fragte ich mich, ob es vielleicht ein Zeichen gewesen war, den Stein wieder dorthin zurückzulegen, wo er ursprünglich gelegen hatte.

Also entschied ich mich dafür, das gläserne Herz wieder auf das Fensterbrett zu legen. In dem Moment fiel erneut Sonnenlicht darauf, und der Stein funkelte in einem wunderschönen blauen Schimmer. Von da an gelangen mir auch meine Ideen, den kleinen Raum größer und offener wirken zu lassen. Alles funktionierte plötzlich, und zum ersten Mal fühlte ich mich in den 14 m² wirklich wohl. 


14 Quadratmeter

14 Quadratmeter und ein kleiner, gruseliger, alter Keller. Die Steine bröckeln von der Decke, die Wände haben Risse und der Boden ist uneben. Nur ein kleines Fensterchen, das dem Raum tagsüber etwas Licht gibt. In jeder Ecke ein Spinnennetz nach dem anderen. Der Raum ist kühl und Moos und andere Pflanzen sprießen aus den Rissen. An den Wänden hängen überall alte und kaputte Weinfässer, und das Einzige, was den Raum in der Dunkelheit erleuchten kann, ist eine Kerze. Eine Kerze, die dem alten Raum Wärme und Sicherheit verleiht. Plötzlich ist es nicht mehr düster, sondern warm, und das Gefühl, allein zu sein, schwindet. Durch das kleine Licht kommen noch mehr Details hervor. Es sind viel mehr Löcher und Risse in der Decke und in den Wänden, als man denkt. Auf dem Boden erkennt man alte Farbklekse und darüber die alten Weinfässer, die wie wild bemalt sind.

Was ich damit sagen will?

Schon ein kleines Licht kann vieles erleuchten.


Die traurige Geschichte eines Schmetterlings

In meinem Garten steht ein kleines Haus aus Glas.
Ich habe einen guten Blick darauf, hier vom Balkon wo ich saß.
In meinem kleinen Haus aus Glas ist es ganz grün,
manchmal auch bunt, im Frühling, wenn die Blumen blühn.
Mein kleines Haus aus Glas ist ganz besonders toll,
denn es ist mit grünen bis bunten Pflanzen voll.
Nur vierzehn Quadratmeter groß
und trotzdem ist darin eine Menge los.
Paprika, Gurke, Salat, Kohlrabi, Karotte
und was fliegt da durchs Gewächs, ist das eine Motte?
Nein, es ist keine Motte, es fliegt nicht so schnell,
die Farbe ist nicht grau, sondern gelb, orange und hell.
Ein Schmetterling ist es, fliegt in meinem gläsernen Haus,
ob er sich eingesperrt fühlt? Wahrscheinlich will er raus.
Ich schaue ihm zu, soll ich zu dem Haus aus Glas runtergehen?
Ich entscheide mich für ja, doch vor der Glastür bleib ich stehen.
Wo ist er denn, mein Schmetterling, ich kann ihn nirgends entdecken.
Das Glashaus ist doch nur vierzehn Quadratmeter groß, er kann sich nicht verstecken.
Wo bist du denn, mein Kleiner? Ich will dir die Freiheit schenken.
Schritt für Schritt suche ich im Glashaus, ohne weiter nachzudenken.
Dann auf einmal wird es mir bewusst, ich habe den Schmetterling schon längst gefunden.
Ich schaue unter meinen Schuh, da ist er, zerdrückt am Boden unten.

Was lernen wir daraus?
Vierzehn Quadratmeter sind ein genügend großes Haus.

Elisabeth S.


14m², aber was sollte man damit tun? Ein Bett, ein Schrank oder noch ein simpler Stuhl. Ein Spiegel, ein altes Telefon und eine Küche, alles ziemlich vollgestopft, hm? Dazu kommen noch ein WC und eine Dusche. Alles in einem Raum. Alles innerhalb von 14m². Die Kommodenoberfläche verwende ich gerne. Sie dient nicht nur als Ablage, sondern ist auch zum Kochen oder Lernen praktisch, auf ihr befindet sich auch ein Haarspray und ein Lippenbalsam von Balea – genauer gesagt in der Farbe Elegant Cherry. Ein kleines Fenster über dem Bett, damit genug Licht reinkommt, um tagsüber keine Lampe zu brauchen. Es steht auch ein Laptop auf der Kommode, die aber im Normalfall auf dem Bett liegt. Auch die kleine Vintage-Lampe ist nicht zu übersehen. Der Spiegel hängt gefährlich hinter der Türe. Eine kleine falsche Blume darf auch nicht fehlen.

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